Gottfried Hoogen verstorben

Der Kreispferdezuchtverein Kleve trauert um sein Ehrenmitglied, das über Jahrzehnte Akzente in der rheinischen Pferdezucht und darüber hinaus setzte

VON STEPHAN DERKS
KREIS.KLEVE
. Gottfried Hoogen ist tot. Die Nachricht traf die Züchter im Kreis Kleve ebenso unerwartet wie überraschend. Mit Hoogen, der am 20. November im Alter von 89 Jahren verstarb, verliert der Kreispferdezuchtverein nicht nur seinen Ehrenvorsitzenden, sondern auch einen wahren Kenner der Pferdezucht. Acht Jahre nach seiner Heirat mit Maria, der letzten Hoferbin aus dem Hause van Doornick, übernahm der Verstorbene 1955 den Vorsitz des Kreispferdezuchtervereins (damals noch Geldern), dessen Geschicke er 46 Jahre (!) leitete. Ebenso hielt er über Jahrzehnte die Zügel auf dem Kervenheimer Vogelsangshof fest in Händen, auf dem er mit seiner Frau Maria stets das Ziel verfolgte, eine bedeutende Warmblutzucht aufzubauen, was ihnen auch gelang. Denn Hoogen war unter anderem Wegbegründer der Trakehner- und der Rheinischen Warmblutzucht, zu der er 1948 mit Marke eine der bedeutendsten Gründerstuten der Deutschen Warmblutzucht erwarb. Aus der Marke gingen unter anderem elf Hengstfohlen hervor, von denen sechs gekört wurden. Zu ihnen zählte auch Maharadscha dem es vorbehalten war, einer der bedeutendsten Stempelhengste der Warmblutzucht zu werden und dessen Gene noch heue in nahezu allen Landeszuchten fest verankert sind.


Er war ein Kenner der Züchterszene: Gottfried Hoogen

Zudem kam 1969 mit Patron einer der bedeutendsten Vererber der Rheinischen Warmblut-. und der Trakehner Zucht auf den Kervenheimer Vogelsangshof. So wurde dessen Sohn Pasternak (Siegerhengst 1973) der erste rheinische Warmbluthengst, der eine Beschälerbox im NRW Landsgestüt Warendorf bezog und der aus den rheinischen Pedigrees nicht mehr wegzudenken ist. Nicht zu vergessen Mackensen, der zweite große Sohn des Patron, der über einen Weltruf verfügt. Auch gilt es die vielen guten Sportpferde zu erwähnen, die Mackensen zum Vater haben. Mit dem Hengst Pasteur xx wurde Hoogens Vorliebe für das Veredlerblut deutlich. Aber auch die vom Vogelsangshof ausgehenden Springgene des Hartung beeinflussten die Rheinische- und die Trakehnerzucht deutlich. So lernte Gottfried Hoogen zudem während seiner Russland-Reisen das Blut des Vollblutarabers Priboj schätzen, dessen Nachkomme Kosmonaut ox das vielfältige Aufgebot der Vogelsanger Beschäler mit dem Adel und der Härte des Arabischen Pferdes ergänzte. Auch verbindet der Rapphengst Sapros, der 1998 auf dem Kervenheimer Gestüt einzog, neben sportlichen Erfolgen, die einzigartige Abstammung und Trakehner Noblesse. Sicherlich ließe sich die Erfolgsgeschichte des Vogelsangshofes, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich die Handschrift von Gottfried Hoogen trägt, trefflich fortschreiben und von dem der Verstorbene einst zu Recht sagte, dass die Welt der Sportpferde nachdrücklich vom Gestüt Vogelsangshof beeinflusst wurde. Er, der große Kenner der Pferdezucht wird dort sicherlich eine ebensolch große Lücke hinterlassen, wie in „seinem“ Kreispferdezuchtverein Kleve, denn er maßgeblich mitprägte. So bleibt künftig der Stuhl auf der alljährlich stattfindenden Stuteneintragung und Fohlenschau leer, auf dem Gottfried Hoogen bis zu letzt auch die Anpaarungen seiner Züchterkollegen eifrig mitverfolgte, leer. Der Kreispferdezuchtverein Kleve e.V. verneigt sich vor einem großen Horseman, dem sich neben dem Kreispferdesportverband Kleve e.V., sicherlich auch das Rheinische Pferdestammbuch, der Pferdesportverband Rheinland und weitere, bundesweite Zuchtverbände anschließen dürften.