Laufen dem rheinischen Pferdestammbuch die Züchter weg?

Kreispferdezuchtverein Kleve hielt Rückschau

Text und Foto von STEPHAN DERKS

KREIS.KLEVE. Für das rheinische Pferdestammbuches könnten die Auswirkungen des novellierten Tierzuchtgesetzes fatale Folgen haben. Denn hiernach ist es Zuchtgebieten, wie „Holsteiner“, „Hannoveraner“, usw. erlaubt, sich auf ein anderes Bundesland oder einen EU-Staat ausdehnen, ohne dass hierzu eine einvernehmliche Zustimmung der zuständigen Behörden erforderlich ist. „Nach der Einführung der künstlichen Besamung stellt der Wegfall dieser Grenzen die Pferdezucht erneut auf den Kopf. Die die bundesweite Anerkennung bei Stutenschauen, die nun überall möglich sind, kann zur Aufsplittung bis hin zur Orientierungslosigkeit der Züchter führen“, orakelte Martin Spoo, Zuchtleiter des Rheinischen Pferdestammbuches jüngst auf der Jahresmitgliederversammlung des Kreispferdezuchtvereins Kleve. Dabei ist das Ziel des Gesetzes, den Züchtern in der Zukunft mehr Vielfalt bezüglich der zugelassenen Organisationen zu geben. Das sah Spoo allerdings nicht gerade als Bereicherung an. Ganz zu schweigen von der räumlichen Entwicklung der Zuchtgebiete, die ohnehin noch nicht absehbar sei. „In den letzten zehn Jahren habe ich keinen Kreis im Vergleich zur Größe gesehen, der so erfolgreich war wie das kleine Rheinland. Insbesondere der Kreis Kleve verfügt bundesweit über große Anerkennung“, schmeichelte Spoo den Züchtern, der in dem Wegfall der „Zuchtgrenzen“ auch den Wegfall von Selektionsentscheidungen sah. Im Klartext: Wer z.B. auf einer Stuteneintragung im Rheinland kein zufriedenes Ergebnis erzielt, der kann eine Prämierung durchaus in einem anderen Verband erzielen. Und das bundesweit. Die Folge der zunehmenden Verflechtung: Dem rheinischen Pferdestammbuch droht ein Mitgliederschwund. „Kreispferdezuchtvereine können verloren gehen, Gemeinschaften zerbrechen. Daher sollte sich jeder Züchter vorab die Frage stellen was gebe ich auf und was bekomme ich neu“, so Spoo abschließend, der den Züchtern ins Stammbuch schrieb, die eigene Identität nicht zu verlieren. Schließlich sei der Verband sehr gut aufgestellt und besitze eine gute Struktur. Kein Grund also, was anderes zu machen. „Wir Kreis Klever Züchter hängen stark an der rheinischen Scholle“, schob August Camp, Vorsitzender des Kreispferdezuchtvereins dem Vortrag nach, der an diesem Abend auch Ehrungen vornahm. So erhielten Josef Wilbers, Weeze und Karl Derks, Kranenburg, je einen Zinnteller für die Siegerstuten der Stutenschau 2007, wobei Josef Wilbers zudem einen Wanderehrenpreis für die Siegerstute bei den Warmblütern erhielt. Horst Ense, Präsident des rheinischen Pferdestammbuches verlieh Gottfried Hoogen (Kervenheim), mit der Ehrennadel in Weißgold die höchste Auszeichnung des Verbandes. Mit der Ehrennadel in Silber wurden Dr. Helmi Wellmann, Günter Mulder (beide Goch), Heinrich Bröcheler, Kerken und August Camp, Geldern, ausgezeichnet. Die Transportverordnung und die Unterweisung zur Erlangung des Befähigungsnachweises, die in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit gilt, brachte Dr. Wilhelm Wehren von der Landwirtschaftskammer Rheinland, den Züchtern näher. Allerdings, so Dr. Wehren, gelte diese nicht für den Transport von Hobbypferden. „Man merkt, dass diese Transportverordnung von Leuten am grünen Tisch erlassen wurde“, merkte Kreislandwirt Josef Peters kritisch an. In Punkto Wahlen wurde der Kranenburger Karl Dercks für Hagen Schulte-Geldermann in den Beirat gewählt. Neuer Kassenprüfer ist Johannes Coenen.

 Die ausgezeichneten Züchter stellen sich zum Erinnerungsfoto

INFO

510 Mitglieder gehören zurzeit dem Kreispferdezuchtverein Kleve an, dessen Vorstand und Geschäftsführung einstimmig Entlastung im Zuge der Mitgliederversammlung erteilt wurde. Am 9. und 10. Juli wird der Verein im Reitsportzentrum Goch-Heidhausen seine alljährliche Stuteneintragung und Fohlenschau durchführen.

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