Pferdehaltung erlangt immer größere Bedeutung

Schicken Sie ein Pferd nie nüchtern auf die Weide, Tiergesundheit war ein großes Thema beim dritten Riswicker Pferdetag

VON STEPHAN DERKS

KREIS.KLEVE. Rund 100 Teilnehmer konnte Johannes Frizen, Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, kürzlich beim dritten Riswicker Pferdetag begrüßen. Dabei stellte er besonders die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung der Pferdehaltung heraus. So lebten mehr als 300.000 Deutsche direkt oder indirekt von der Pferdehaltung. „Berücksichtigt man neben den Beschäftigten auf einem Pferdebetrieb zusätzlich die entsprechenden Mitarbeiter im Reithallenbau, der Futtermittel- und Fahrzeugindustrie sowie Tierärzte, so sichern dreieinhalb Pferde rechnerisch einen Arbeitsplatz“, rechnete Frizen vor. Aber auch die Gesundheit des Pferdes, angefangen vom Abfohlen über die Versorgung von Wunden bis hin zur bedarfsgerechten Fütterung, nahm bei der Tagung im Klever Landwirtschaftszentrum einen breiten Raum ein. „Mit einer Abfohlrate von rund 65 % hat das Pferd die niedrigste Reproduktionsrate aller Haussäugetierarten“ machte zum Beispiel Dr. Ulrich Mengeler (Hamminkeln) deutlich, der unter anderem wertvolle Tipps zur Vermeidung von Verlusten rund um das Abfohlen gab. So seien selbst bei Stuten mit ungestörter Fruchtbarkeit Verlustraten von rund 9 % bis zu elften Trächtigkeitstag normal, da Pferdeembryonen sehr häufig auf Grund von Wachstumsstörungen absterben. “Liegt eine normale Trächtigkeit mit einem einzigen Fohlen vor, geht es darum, rund um die Geburt alles zu tun, um Risiken für Jung- und Muttertier zu vermeiden. Der größte Teil der Geburten wird allerdings von den Pferdehaltern allerdings verpasst“, so Mengeler weiter, was unter anderem an den stark unterschiedlich ausgeprägten Geburtsanzeichen läge. Erste Hilfe, aber wie? Eine Frage, auf die  Dr. Arnold Hülsey von der Pferdeklinik im niederrheinischen Kerken einging. Dabei gab er auch Tipps, was bei Knochenbrüchen, Wunden und anderen Verletzungen zu tun ist. „Sicherheit geht in allen Situationen vor Schnelligkeit“, stellte Hülsey klar. Zudem seien Verbandwatte, Bandagen sowie Jodsalbe in einer Notfallapotheke unverzichtbar, wobei Blutungen aus Wunden am Besten mit mehrlagigen Druckverbänden gestillt werden könnten. Besondere Vorsicht sei aber bei blutenden Gliedmaßen geboten. Diese sollten oberflächig nur vorsichtig gesäubert werden. Dringend riet der Hülsey davon ab, diese Wunden mit dem Wasserschlauch auszuspritzen, da häufig Schmutzpartikel in tiefere Schichten oder gar in Gelenke oder Sehnenscheiden gedrückt würden. Die Folge: Ein langwieriger Wundheilungsprozess mit starken Eiterungen. Haarlinge, Milben Zecken und Co. nahm Tierarzt Dr. Wieland Beck unter die Lupe. Dabei ging er zuerst auf einen möglichen Haarlingsbefall beim Pferd ein, der meistens in den Wintermonaten in der Robustpferdehaltung oder bei Tieren in schlechtem Pflegezustand auftrete. Aber auch Läuse bevorzugten den Mähnengrund des Pferdes sowie die Schweifwurzel als Lebensraum. „Bei der Bekämpfung von Haarlingen, Läusen und Milben muss der kontaminierte Stall sowie Putz- und Sattelzeug unbedingt mit einbezogen werden!“, betonte Beck. Besonders durch Bürsten könnten die Parasiten vom einen auf das andere Tier übertragen werden. Wie fütterungsbedingte Erkrankungen beim Pferd vermieden werden können, darüber wusste Dr. Susanne Marx-Nowak von der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG zu berichten. So wirkten sich unter anderem auch unregelmäßige Fütterungszeiten ungünstig auf den Pferdemagen aus, Außerdem läge in einem plötzlichen Futterwechsel, wie dies beispielsweise beim Übergang von der Stall- zur Weidefütterung der Falls sei, ein großes Gefahrenpotential. „Schicken Sie die Pferde deshalb nie nüchtern auf die Weide“, riet die Futterexpertin.

 INFO

Pferderationen enthalten häufig zu rohfaserarme und zu stärkereiche Futtermittel. Als Richtwert gilt mindestens 1 kg Raufutter je 100 kg Lebendgewicht eines Pferdes. Zudem können sich beim Einsatz von Kleien und Nachmehlen im Futter überhöhte Mengen an Phosphor und Magnesium ergeben, die eine Darmsteinbildung begünstigen. Auch schlechte Futterqualitäten, wie verschimmelte Partien, ungenügend abgelagertes Heu oder Hafer führen zu Gesundheitsstörungen bei Pferden.

zurück