Der Sitz bleibt Schlüssel zum Erfolg

Hochkarätige Fachtagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung lockte viele Besucher in die Uedemer Reithalle Thoenes

Text und Fotos von STEPHAN DERKS

Das ein losgelassener und ausbalancierte Sitz notwendig ist, um ein Pferd korrekt an die Hilfen zu reiten und auszubilden, wussten die meisten der über 200 Besucher der hochkarätigen Fachtagung schon, zu der die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) kürzlich die Persönlichen Mitglieder (PM) zur Regionaltagung in die Reithalle Thoenes nach Uedem eingeladen hatte. Doch wie wird dieser Sitz erreicht und welche Hilfestellung kann der Reitlehrer hierzu geben? Fragen, auf die Christoph Hess, Leiter der FN-Abteilung Ausbildung, Lars Meyer zu Bexten (Herford)seit 2005 Bundestrainer beim Deutschen Komitee für Reiterei (DOKR) für Junioren und Junge Reiter, sowie der Physiotherapeut Johannes Mariet (S`Heerenberg, Niederlande) versuchten eine Antwort zu finden.


                                        Tobias Thoenes erhält Tipp von Johannes Marit

Hierzu standen ihnen neben den Springreitern Tobias Thoenes und Rene Lamers, auch die Dressuramazonen Katja und Lydia Camp, sowie Julia Miß als Probanten zur Verfügung. Zunächst hatten diese in der Halle auf und ab zu gehen, damit sich Mariet ein Bild von deren Körperhaltung machen konnte. „Denn man muss den Bewegungsablauf und dessen Konsequenzen im Einklang bringen. Und das ist manches Mal gar nicht so einfach“, erklärte der Physiotherapeut im Gespräch. Und richtig, neigte sich der linke Fuß von Tobias Thoenes bereits beim Gehen nach außen, setzte sich diese „Fehlstellung“ auch im Sattel fort. Trotz seines langen Oberkörpers deutlich zu erkennen: Die einknickende Hüfte. „Hüfte höher ziehen, die Baumuskeln nicht zu sehr anspannen, Schulterblätter zurück, auf die richtige Atmung achten“, riet Mariet dem erfolgreichen Springreiter während dieser seine Runden ritt. Und als Meyer zu Bexten dann noch von ihm verschiedene Sitzformen in den verschiedenen Gangarten darstellen ließ (Übergänge über das Gesäß abfangen), kam Tobias doch mächtig ins Schwitzen. „Wahnsinn, auf was da alles zu achten ist“, entfuhr es der Keppelner Amazone Carina Madeleine Janssen, die es aber Klasse fand, gute Tipps zu erhalten. „Was mir auffiel, dass verschiedentlich mit den Unterschenkeln geklemmt wurde“, so das subjektive Empfinden von Hess nach Tobias Ritt und Mariet ergänzte das er beobachtet habe, dass sich Verspannungen vom Kopf bis in den Fuß gezeigt hätten.

    Johannes Mariet zeigt Christoph Hess (links) und Lars Meyer zu Bexten, Veränderungen im
                                                           Hüftbereich

Joggen und hierbei das richtige Atmen über das Zwerchfell erlernen, würde wahre da Wunder bewirken, so der Rat des Experten, der anhand eines Skeletts unter anderen Fehlstellungen im Becken erläuterte. „Kopf hoch, zum Sprung hinschauen, damit der gerade Weg zum Hindernis gefunden wird“, riet Meyer zu Bexten unterdessen Rene Lamers, mit dem er gleichfalls die verschiedenen Sitzpositionen auf dem Pferd trainierte. „Anhand der verschiedenen Demonstrationen konnten wir feststellen, wie wichtig der Sitz sowie die Einwirkung des Reiters sind, damit sich das Pferd unter uns und wir uns auf dem Pferd wohlfühlen, damit beide Spaß am Reiten haben“, so Hess abschließend. Eine Feststellung, dem sich die zahlreichen Gäste nur anschließen konnten.

 INFO

Der richtigen Kommunikation zwischen Pferd und Reiter, sowie der Ursachenforschung von Sitzfehlern und falscher Hilfengebung, folgten im Rahmen der Uedemer Fachtagung nicht nur Teilnehmer aus dem Kreis Kleve, sondern auch aus Köln, Königswinter, Dortmund usw., wobei eine Teilnehmerin gar aus Lübeck an den Niederrhein angereist war.