| Von STEPHAN DERKS
Sie steht noch immer unter dem
gewaltigen Eindruck der Turnierveranstaltung um die Goldene Schärpe, in
Verbindung mit den World Junior Games, die 14jährige Yvonne Booten vom
Club der Pferdefreunde Goch. Denn sie gehörte zu den 19 jugendlichen
Reitern (die RP berichtete exklusiv), die mit der Rheinischen Mannschaft
nach Hamburg gereist war, um an der ersten
Bundesveranstaltung für die jüngsten Nachwuchs-Vielseitigkeitsreiter
teilzunehmen. Dabei stand für den bescheidenen Teenager stets der
Olympische Gedanke im Vordergrund. Doch es sollte alles anders kommen.
In einer Kombination, bestehend aus Dressur, Stilspringen und einem
Stilgeländeritt (alles auf E-Basis), galten es sich im hohen Norden
gegenüber der bundesweiten Konkurrenz zu behaupten. Hierzu gehörte auch
das Vormustern, bei dem das „Herausgebracht sein“ des Ponys und
der Gesamteindruck ausschlaggebend waren. Sicher, beinahe routiniert,
führte Yvonne ihr Pony Top Doc Wilhelm an der Hand vor das Richterteam.
Ergebnis: Wertnote 9,5! (9 = sehr gut, 10=ausgezeichnet). „In der
Theorie galt es einen Fragebogen mit 20 Fragen rund um Pferd und
Pferdesport zu beantworten“, erklärt Christa Booten immer noch aufgeregt
gegenüber der RP, die ihre Tochter gemeinsam mit Lebensgefährten Dirk
Stedronsky in die Hansestadt begleitete. Da bot die stundenlange
Anreise in den hanseatischen Ortsteil Vierlinden genügend Gelegenheit,
nochmals ausgiebig zu pauken. Lohn der Mühen: Erneut eine Wertnote von
9,5. „Gut ausbalancierter Sitz, eine gleichfalls gute Übersicht, der
Ritt in seiner Gesamtheit wie an einer Schnur gezogen, da konnte man
schon hinsehen“, so das Urteil der Richter nach Yvonnes Stilgeländeritt.
Ergebnis: Goldmedaille in den World Junior Games. Denn die
Sieger der World Junior Games wurden jeweils aus den Besten
Einzelreitern der Teilprüfung Dressur, Springen und Gelände, sowie
Gesamtwertung der Vielseitigkeitsprüfung ermittelt. Schier grenzenlos
die Freude bei der Gocher Familie Booten-Stedronsky. Und als dann noch
bei der Siegerehrung die Nationalhymne ertönte, gab es kein Halten mehr,
da flossen die Tränen ungehemmt über die Wangen und eine Gänsehaut nach
der anderen lief den Rücken herunter. Wie bei Reitern üblich, wurde
Yvonne im Anschluss noch im Wassergraben "getauft“. Doch damit nicht
genug. Denn im Kampf um die Goldene Schärpe gehörte Yvonne Booten zu der
Mannschaft Rheinland I, in der sie sich gemeinsam mit Bernice
Hoogen, Pia Muenker, Celina Nothofer und Joe Prangenberg die
Bronzemedaille erkämpfte. Haarscharf war das rheinische Team, dass
während des Turniers zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenwuchs,
an der Silbermedaille vorbei geschliddert. Damit dürfte das Hamburger
Turnier endgültig für die 14jährige Gocher
Amazone zu einem schier unbeschreiblichen Erlebnis geworden sein. Und auch für
ihr Pony Top Doc Wilhelm, mit dem sie zu einem Superteam verschmolz und
der fortan nur noch „Willy, mein Goldjunge“ genannt werden dürfte.
Übrigens: Pro Mannschaft durften im Kampf um die Goldene Schärpe
je Bundesland maximal fünf Paare an den Start gebracht werden, wobei in
jeder der fünf Teilprüfungen die besten vier Reiter einer Mannschaft
gewertet wurden. Das Vormustern und Theorie zählten einfach, Springen
dreifach, Dressur vierfach und das Gelände fünffach. Um ein möglichst
homogenes Starterfeld zu gewährleisten, waren Mitglieder des
Bundes-Pony-Kaders ebenso wenig zugelassen, wie die Platzierten der
Deutschen Ponymeisterschaften der letzten beiden Jahre. |