| Von STEPHAN DERKS
Sie
haben ihn schon als Kind in ihren Bann gezogen, die Pferde mit dem Brand
der Elchschaufel. Und als er erstmals auf dem großelterlichen Hof auf
einem Trakehner reiten durfte, ließen ihn diese edlen Tiere nicht mehr
los. Gerne erinnert sich der 75jährige Günter Pieper, der am 21. April
1929 in Issum geboren wurde, an dieses Schlüsselerlebnis. Seither
sollten ihn die Pferde durch sein weiteres Leben begleiten.
Zwangsverpflichtet saß er als 14jähriger für die Hitlerjugend im Sattel
und begann sieben Jahre später beim heimischen Reit-, Fahr- und
Zuchtverein Ziethen Issum mit seinen Aktivitäten in der ländlichen
Reiterei. Schon damals hatte Pieper den Hang zur Dressur. Das erkannte
wohl auch der Brauereibesitzer Josef Diebels, der ihm zwei Pferde zur
Verfügung stellte. „Nach zehn Siegen galt man damals allerdings als
ausgesiegt, musste in die Klasse wechseln“, erinnert sich Pieper, an
seine Erfolge in der Klasse L. Erfolgreich und beliebt auch die
Reitunterrichte des aufstrebenden Issumers der, von dem
Ausbildungsschema eines Jo Hinnemann angetan, orientierte sich hieran.
Doch Günter Pieper, der 1949 seine Emmy heiratete, die er in Issum
kennen gelernt und mit der er fünf Kinder hat, wollte mehr. Er, der nach
seine erste Reitlehrerprüfung Ende der 50er Jahre ablegte und 1981 die
Prüfung zum Amateurreitlehrer in Vechta bestand, wollte lernen sich ein
eigenes Urteil über das zu bilden, was da in der Bahn geritten wurde.
Günter Pieper entschloss sich, Turnierrichter zu werden. Und so stand
das heutige Ehrenmitglied der Issumer Reiter von 1966 bis Ende
vergangenen Jahres auf der Richterliste des Rheinlandes, von wo aus er
Anfang diesen Jahres in die Ehrenrichterriege wechselte. Dabei lässt
seine Vita als Turnierrichter aufhorchen. Denn bis zu schweren Klasse S
und dem Grand Prix durfte der Horseman, als den man ihn zu Recht
bezeichnen darf, richten. Dabei waren seine fachlichen Urteile nicht nur
in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gefragt. Auch
international saß er mit Dänen, Belgier, Niederländern und Portugiesen
am Viereck. Eine Einladung nach Sevilla sagte er allerdings ab. Immer
noch groß seine Freude und Leidenschaft an Landesmeisterschaften und
Trakehner-Dressurturnieren. Für Günter Pieper, für den der Besuch
internationaler Turniere in München, Frankfurt, Dortmund und Bremen zum
Hobby gehört und wo er gerne mit seiner Frau auf der Zuschauertribüne
sitzt, befindet sich die Reitjugend im Wandel. Ist deren Ausbildung
besser geworden. Auf das Richteramt bezogen prägt Pieper im Gespräch mit
der Rheinischen Post einen wichtigen Satz: Denn nur wer das Auge für
Schönheit, Harmonie und Eleganz bei Pferden besitzt, der kann auch was
erkennen“. Ein wichtiges hat der Issumer Horseman, der auch voller Stolz
auf die reiterlichen Erfolge seiner Kinder blickt, im Laufe der Jahre
erfahren: Das Amt des Turnierrichters kann nur ausüben, dessen Familie
voll und ganz dahinter steht. Dabei unterstreicht der verständnisvolle
Blick seiner Frau Emmy, die These Piepers nur zu deutlich. Was die
Turniererfolge seiner Kinder anbelangt so freue sich Günter Pieper
hierüber stets so, als wären es seine eigenen. Im Vergleich zur Politik
sollte nach Ansicht des Issumer Amateurreitlehrers in einem
Richterurteil mit wenig Worten viel gesagt werden. Zudem vertritt er die
Auffassung, dass jeder Reiter das Recht auf Begründung der Wertnote zu
seinem Ritt habe. Dazu gehöre auch eine fachlich richtige Erklärung,
Begründung und Ausdrucksweise. Günter Pieper, ist im Laufe der Jahre
vom Pferdesportverbandes Rheinland hoch ausgezeichnet worden. So erhielt
er für seine besonderen Verdienste um die rheinische Reiterei nicht nur
die Ehrennadel in Gold, sondern auch die mit Lorbeerkranz, eine der
höchsten Auszeichnungen, die der Verband zu vergeben hat. Jetzt
wechselte der Dressur-Fachmann in die Ehrenrichter-Riege. |